Sanierung

Ein mögliches Sanierungsverfahren: Inliner

Wenn die Zustands- und Funktionspr√ľfung ergeben hat, dass die private Abwasseranlage schadhaft ist, so ist vielfach eine Sanierung erforderlich. Als Orientierungshilfe zur Schadensbeurteilung und zur Festlegung von Sanierungsnotwendigkeit und Zeitpunkt hat das Ministerium f√ľr Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz (MKULNV) einen Bildreferenzkatalog herausgegeben.

Zusätzlich finden Sie hier ein Faltblatt, in dem die einzelnen Sanierungsverfahren erläutert werden.


Sanierungsbedarf

Welche Schäden können in den Leitungen und Schächten auftreten?

Typische Leitungsschäden sind:

  • Risse
  • Rohrbruch
  • Wurzeleinwuchs
  • Lageabweichung
  • Schadhaft oder unsachgem√§√ü eingebaute Rohrverbindungen
  • Abflusshindernisse
  • Verformung oder Deformation
  • Korrosion

 

Typische Schadensbilder finden Sie hier.

 

Welche Auswirkungen haben undichte Grundst√ľcksentw√§sserungsleitungen?

Liegt die Leitung unterhalb des Grundwasserstandes - Infiltration
Liegt die Leitung oberhalb des Grundwasserstandes - Exfiltration
Durch verstopfte Rohre kann das Abwasser nicht mehr abfließen!

Undichte Grundst√ľcksentw√§sserungsleitungen k√∂nnen negative Folgen f√ľr den Hausbewohner, den Geb√ľhrenzahler und die Umwelt haben.

Auswirkungen f√ľr die Hausbewohner
In vielen F√§llen f√ľhren die Sch√§den in den privaten Abwasserleitungen zu Undichtigkeiten. Diese k√∂nnen durch Bodeneinsp√ľlungen zu einer Hohlraumbildung im Bereich der Leitungszone f√ľhren, verbunden mit Setzungen und Einst√ľrzen. Auch Geb√§udevern√§ssung ist m√∂glich. Au√üerdem k√∂nnen durch das Eindringen mineralischer Bodenpartikel in Verbindung mit den organischen Abwasserinhaltsstoffen in den Leitungen verfestigte Ablagerungen verursacht werden, die zu Verstopfungen f√ľhren k√∂nnen. Auch der Einwuchs von Wurzeln wird beg√ľnstigt. Die Sch√§den k√∂nnen also auch die Funktionsf√§higkeit der Grundst√ľcksentw√§sserung beeintr√§chtigen ‚Äď mit zeit- und kostenaufw√§ndigen Folgen wie z.B. R√ľckstau in den Keller.

Auswirkungen auf die Geb√ľhren
Das gesamte Entw√§sserungssystem bestehend aus Kan√§len, Regen√ľberl√§ufen, Pumpwerken und Kl√§ranlagen ist f√ľr die Schmutz- und Regenwassermengen ausgelegt, die ordnungsgem√§√ü eingeleitet werden. Abwassermengen, die dar√ľber hinaus in das System gelangen ‚Äď das sogenannte Fremdwasser - f√ľhren zu einer zus√§tzlichen Belastung und k√∂nnen zu h√∂heren Betriebskosten (z.B. gr√∂√üere Pumpenleistungen, mehr Wartungsaufwand) und Investitionskosten (z.B. gr√∂√üere Kl√§ranlagen und Kanalnetze) f√ľhren, was zu h√∂heren Abwassergeb√ľhren f√ľhren kann.

 

Auswirkungen auf die Umwelt
Liegen die defekten Leitungen oberhalb des Grundwasserspiegels, so kann Abwasser in das umgebende Erdreich und das Grundwasser gelangen (Exfiltration).

 

Liegen die Leitungen z.B. bei starken Regenf√§llen und hohen Grundwasserst√§nden im Grundwasserbereich, so kann Grundwasser in die defekten Abwasserleitungen gelangen (Infiltration von sogenanntem Fremdwasser). Das sogenannte ‚ÄěFremdwasser‚Äú, das in undichte Abwasserkan√§le eindringt, kann das Volumen des Schmutzwassers um ein Mehrfaches √ľbersteigen. Undichte Kan√§le und Grundst√ľcksentw√§sserungsleitungen deren eigentliche Aufgabe es ist, behandlungsbed√ľrftiges Abwasser zur Kl√§ranlage zu leiten, wirken damit wie eine Drainage.

Die Auswirkungen zeigen sich in vielen Facetten. Die Verd√ľnnung des Abwassers verringert die Abbauleistung der Kl√§ranlage und Schadstoffe k√∂nnen vermehrt in die Gew√§sser gelangen. Die zus√§tzliche hydraulische Belastung der Kl√§ranlage mit den unn√∂tigen Wassermengen wirkt sich auch auf die Energie- und Kosteneffizienz der Kl√§ranlage aus, da beispielsweise Pumpen und Hebewerke st√§rker ausgelastet werden. Auch Entlastungsbauwerke wie Regenbecken, welche bei Starkregenereignissen Abwasser vor der Reinigung in der Kl√§ranlage in gewissem Umfang puffern k√∂nnen, werden durch Fremdwasser zus√§tzlich belastet. Sie f√ľllen sich schneller und m√ľssen das Abwasser h√§ufiger wegen √úberlastung in die Gew√§sser ableiten. Auch dadurch gelangt unbehandeltes Schmutzwasser in die Gew√§sser.

 

In Extremf√§llen k√∂nnen Undichtigkeiten und die damit verbundene Dr√§nagewirkung dar√ľber hinaus zu einer Grundwasserabsenkung f√ľhren. Die Grundwasserabsenkung kann dann zu Bodensetzungen mit Sch√§den an der Bebauung f√ľhren (z.B. Risse am Geb√§ude).


nach oben

Sanierungsverfahren

√úberblick √ľber Sanierungsverfahren

√úberblick √ľber Sanierungsverfahren

Hier finden Sie ein Faltblatt, in dem die Sanierungsverfahren erläutert werden.

Welche Sanierungsmöglichkeiten gibt es?

Grundsätzlich sind zwei Sanierungsmöglichkeiten zu unterscheiden:

  • Erneuerung in herk√∂mmlicher, offener Bauweise
  • Grabenlose, geschlossene Sanierung ohne Aufbruch der Oberfl√§chen

Welche Sanierungsverfahren sind zu wählen?

Welches Sanierungsverfahren im Einzelfall unter technischen und wirtschaftlichen Aspekten am besten geeignet ist, l√§sst sich pauschal nicht beantworten. So stellt sich z.B. h√§ufig in der Praxis heraus, dass nur eine Kombination aus verschiedenen Sanierungsverfahren zu einem optimalen Ergebnis f√ľhrt. Bei der Verfahrensauswahl sind viele Aspekte zu ber√ľcksichtigen, z.B.:

  • Lage des Schadens (z.B. unter der Bodenplatte)
  • Schadensart und ‚Äďumfang
  • Leitungsverlauf
  • Anzahl und Kr√ľmmungsgrad der B√∂gen
  • Nennweite und Werkstoff der Leitung
  • Zug√§nglichkeit
  • Grundwasserstand
  • Bodenart
  • Alter der Leitung
  • M√∂glichkeit zur Stilllegung von Entw√§sserungsgegenst√§nden

 

Bei örtlich begrenzten Einzelschäden werden häufig grabenlose Reparaturverfahren (z.B. Kurzliner) eingesetzt.

 

Sofern in der Leitung viele Einzelsch√§den vorhanden sind und die Leitung kaum zug√§nglich ist (z.B. unter der Bodenplatte oder versiegelten Fl√§chen, im √∂ffentlichen Verkehrsraum, gro√üe Verlegetiefen), wird h√§ufig auf die grabenlose Renovierung zur√ľckgegriffen (z.B. Schlauchliner).

 

Wenn die Schadensbilder kein grabenloses Verfahren zulassen (z.B. bei Rohrbruch) oder die √∂rtlichen Randbedingungen g√ľnstig sind (z.B. geringe Verlegetiefen, nicht versiegelte Fl√§chen), wird bevorzugt die Erneuerung eingesetzt. Hier ist oft auch ein Anteil an Eigenleistung m√∂glich.

 

Einen √úberblick √ľber die Vor- und Nachteile der einzelnen Sanierungsverfahren finden Sie hier.

Unterst√ľtzung bei der schwierigen Entscheidung √ľber ein geeignetes Sanierungskonzept k√∂nnen Sie bei der Stadt bzw. Gemeinde erhalten.

Wer kann die Sanierung durchf√ľhren?

F√ľr die Sanierung sollte ein Fachbetrieb beauftragt werden. Hilfestellung erhalten Sie bei Ihrer Stadt oder Gemeinde.

Es ist bei der Beauftragung unbedingt darauf zu achten, dass das zur Ausf√ľhrung kommende Sanierungsverfahren die bauaufsichtliche Zulassung des Deutschen Institutes f√ľr Bautechnik (DIBt) hat. Dieses Zulassungsverfahren beinhaltet umfangreiche Produktpr√ľfungen und garantiert dem Verbraucher verl√§sslich die Brauchbarkeit eines Bauproduktes.

Was passiert nach der Sanierung?

Wichtig: Bevor Sie die Rechnung f√ľr eine Sanierung begleichen:
Nach Abschluss der Sanierungsarbeiten ist in jedem Fall eine Zustands- und Funktionspr√ľfung durch einen anerkannten Sachkundigen durchzuf√ľhren und zu dokumentieren.


nach oben

Sanierungskosten

Was kostet die Sanierung?

Die Kosten f√ľr eine Sanierung der Grundst√ľcksentw√§sserungsleitungen h√§ngen sehr stark von den Gegebenheiten im Einzelfall ab. Den bisherigen Erfahrungswerten nach k√∂nnen die Gesamtkosten einer Sanierung zwischen 1000 und 7000 ‚ā¨ pro Grundst√ľck liegen oder - auf die Leitungsl√§nge bezogen - bei 250 bis 500 ‚ā¨/m. Im Einzelfall k√∂nnen auch h√∂here Kosten entstehen. Von besonderem Einfluss auf die Kosten sind:

  • Baulicher und betrieblicher Zustand der zu sanierenden Leitung, insbesondere Art, Umfang und Lage der Sch√§den (z.B. unter der Bodenplatte, Stra√üe, Gehweg) sowie Betriebsst√∂rungen und fehlende hydraulische Reserven
  • Tiefenlage, L√§nge, Verzweigungsgrad, Nennweiten (DN) und Werkstoff der Leitungen bzw. der Abwasseranlage sowie Anzahl und Kr√ľmmungsgrad der B√∂gen
  • Erschwernisse, wie ung√ľnstige Platzverh√§ltnisse und schwierige Zug√§nglichkeiten f√ľr Sanierungen sowie hoher Grundwasserstand und ung√ľnstige Bodenarten
  • Vor- und Nacharbeiten, wie z.B. Schaffung von Zug√§ngen, Pflaster- oder Fliesenarbeiten, Stilllegung von Entw√§sserungsgegenst√§nden, Umklemmen einer Dr√§nageleitung
  • Gew√§hlte Sanierungsverfahren (Erneuerung, Renovierung, Reparatur)


In jedem Fall ist es ratsam, sich f√ľr die Beauftragung einer Sanierung Zeit zu nehmen und mehrere Angebote einzuholen, die miteinander vergleichbar sind.  Bevor Sie eine Sanierungsentscheidung treffen oder einen Auftrag erteilen, k√∂nnen Sie sich von Ihrem st√§dtischen Abwasserbetrieb unabh√§ngig und kostenfrei beraten lassen! Dort erfahren Sie auch, ob Sanierungsma√ünahmen im √∂ffentlichen Bereich geplant sind, die Sie mit Ihren Ma√ünahmen koordinieren k√∂nnen.

Wie können Kosten bei der Sanierung gespart werden?

Es gibt zus√§tzlich zu den bei der Zustands- und Funktionspr√ľfung aufgef√ľhrten √úberlegungen verschiedene Ans√§tze, um Kosten f√ľr die Sanierung einzusparen, insbesondere:

  • ein gut durchdachtes Sanierungskonzept - Hilfestellung durch die Stadt oder Gemeinde suchen! Dort gibt es kostenfreie Beratungsangebote.
  • falls m√∂glich: Abh√§ngen von Leitungen unter der Kellerdecke, statt aufw√§ndige Sanierung der Grundleitungen unter den Fundamenten (ggf. sind Eigenleistungen m√∂glich).
  • R√ľckstauschutz und Hydraulik pr√ľfen! Bei der Sanierung ist eine Gesamtbetrachtung des Entw√§sserungssystems sinnvoll und kann Kosten sparen. So sollten auch der R√ľckstauschutz, die Hydraulik und der Umgang mit Regenwasser gepr√ľft und bei Bedarf angepasst werden.
  • Zusammenschluss mit Nachbarn, um durch ein gr√∂√üeres Auftragsvolumen bessere Preise und gute Qualit√§t zu erzielen.
  • Vorbereitung der Ma√ünahmen, z.B. durch Beschaffung von Entw√§sserungsunterlagen und Freilegung von Revisions√∂ffnungen im Haus und auf dem Grundst√ľck.
  • Pr√ľfung des Versicherungsschutzes. Vor einer Sanierung sollte gekl√§rt werden, welche Schadensf√§lle an den Abwasserleitungen durch Ihre Geb√§udeversicherung abgedeckt sind.
  • Abstimmung der Sanierungsarbeiten mit sowieso geplanten Bauma√ünahmen auf dem Grundst√ľck oder im Haus (z.B. Pflasterarbeiten im Hof oder in der Einfahrt).
  • Sanierungsplanung und Bau√ľberwachung bei Bedarf durch Sachverst√§ndige (z.B. Ingenieurb√ľro oder Berater Grundst√ľcksentw√§sserung)!
  • Rechnung erst bezahlen nach abschlie√üender Pr√ľfung! Nach der Sanierung ist immer eine Zustands- und Funktionspr√ľfung erforderlich. Erst nach √úbergabe der Pr√ľfbescheinigung, in der der Erfolg der Sanierung best√§tigt wurde, ist die Rechnung f√ľr die Sanierung zu begleichen!


Dar√ľber hinaus gilt: Private Grundst√ľckseigent√ľmer k√∂nnen einen Teil der Sanierungskosten, insbesondere die Handwerkerleistungen, unter der Rubrik ‚ÄěHaushaltsnahe Besch√§ftigungsverh√§ltnisse, Dienstleistungen und Handwerkerleistungen‚Äú steuerlich absetzen. Die Verbraucherzentrale NRW ber√§t  Sie auch in diesen Fragen, siehe Seite 15 in der Brosch√ľre der Verbraucherzentrale NRW.


nach oben